Aeby & Landry


Im Jahr 1873 gründeten die Uhrmacher Johann Aeby (1824 - 14.07.1880) und Constant Felicien Landry in Madretsch eine Uhrenmanufaktur.
Johann Aeby kam 1824 in Kirchberg zur Welt. Als 16-jähriger ging er nach La Heutte und kam in der Familie des Leutnants Landry unter. Dort lernten sich Constant Felicien Landry, Sohn des Leutnants, und Aeby kennen. Daraus entwickelte sich später die gemeinsame obengenannte Unternehmung.
Zunächst aber erlernte Aeby das Uhrmacherhandwerk in Pery. 1851 machte er sich sogar als Uhrmacher in Tavannes selbstständig. Zu Constant Felicien Landry ist leider nichts näheres bekannt.

Die neue Firma stellte Uhrwerke und Uhrenteile her. 1876 unterhielt sie sogar einen Stand auf der Internationalen Ausstellung in Philadelphia. Ab 1878 wurde die Firma als Hersteller von kompletten Uhren mit und ohne Komplikationen (Taschenuhren, Chronographen, Schlagwerksuhren und Wecker) bekannt.
In der Zeit von 1875-1880 belieferte die Manufaktur die von Dietrich Gruen gegründete Firma "Columbus Watch Co., Ohio" in Amerika mit Uhrwerken. 1880 verstarb Johann Aeby. Seine Söhne Alfred (1850 - 1911) und Léo (1860 - 1893) führten die Manufaktur fort.

Alfred Aeby blieb bis 1890 Direktor der Manufaktur. 1896 wurde er Direktor der Elsö Magyar Óragyár Rt (Erste Ungarische Uhrenfabrik) in St. Gotthard an der österreich-ungarischen Grenze. Dort blieb er bis 1904, als die Fabrik durch einen Großbrand vollständig zerstört wurde. In die Schweiz zurückgekehrt, verstarb er im Jahr 1911.



Léo Aeby

Léo Aeby erhielt seine uhrmacherische Ausbildung in Tavannes, Biel und Porretruy, ging danach auf das Technikum in Winterthur. 1881 verließ er die Schweiz für drei Jahre und begab sich nach Amerika um die dortigen Produktionsmethoden zu studieren. Zurückgekehrt setzte er diese in der heimatlichen Manufaktur um. Mit 32 Jahren verstarb er im Jahr 1893. Léo Aeby veröffentlichte eigene Patente (US329611, aus dem Jahr 1885, 4255 aus dem Jahr 1891), andere entstanden in Zusammenarbeit mit Jacot-Burmann (21 und 32 aus dem Jahr 1889, 3310 aus dem Jahr 1891).



Das oben abgebildete Patent wurde in Zusammenarbeit mit Henri Jacot-Burmann entwickelt. Letzterer ist als Begründer der gleichnamigen Manufaktur, welche in Biel ansässig war, bekannt geworden. Die Firma wurde 1881 registriert mit der Bildmarke eines Cometen. Berühmt ist Jacot-Burmanns Patent über eine Kalenderuhr aus dem Jahr 1881 (US245130).


Nach der Übernahme durch die Söhne Aebys besprach man mit dem Miteigentümer Landry eine Erweiterung der Manufaktur. Dazu erwarb man ein mit Wasserkraft (Poncelet Rad) betriebenes Sägewerk in Madretsch, welches entsprechend den eigenen Bedürfnissen umgebaut wurde.. 1880 und 1881 erwarb die Firma mehrfach Zertifikate an der "Bienne Guarantee Office". Im July 1880 waren zwei der 57 zertfizierten Kaliber mit unabhängiger Sekunde ausgestattet. 1881 gewann die Manufaktur den zweiten Platz auf der Nationalen Ausstellung in La Chaux de Fonds und 1883 den ersten Preis auf der Nationalen Ausstellung in Zürich.
In Anlehnung an das Pallweber-Patent entwickelte die Firma in den Jahren 1883 /84 eine eigene digitale Anzeige. Der Verkaufserfolg blieb aber auch Aeby & Landry versagt.
1886 sicherte sich die Firma die Marke "Colibri". 1888 wurde die Firma unbenannt in Aeby & Cie. oder Leo Aeby & Co..




Die Marke der Manufaktur war "A. & C.". Aeby & Cie. unterhielt Geschäftsbeziehungen zur in New York angesiedelten "Non-Magnetic Watch Co. of America" und belieferte sie mit Uhrwerken. Die Non-Magnetic Watch Co. of America stellte im eigentlichen Sinne keine Uhren her, sondern war eine Handelsfirma, welche antimagnetische Uhren verkaufte. Dabei wurde eine Spiralfeder aus einer Palladiumlegierung verwendet, die von dem Schweizer Charles Auguste Paillard entwickelt wurde.



Charles Auguste Paillard (1840-95)

Insgesamt waren die Erfolge nach Einführung der amerikanischen Produktionsmethodik nur von kurzer Dauer. 1890 ging die Firma in Konkurs. Die Gebäude sollen angeblich von der "Seeland Watch Co." aufgekauft worden sein ohne dass sie sie für sich nutzte. Angeblich soll die Manufaktur unter Leo Aeby, als Direktor, weitergeführt worden sein. Unter welchen Namen sie firmierte ist nicht bekannt.
(Ob es einen Zusammenhang mit der Manufaktur "Aeby, Bellenot & Cie" gibt, welche sowohl in Biel wie auch in Lyss ansässig war, ist nicht bekannt. Eine Entsprechung zwischen "Aeby, Bellenot & Cie" und "Seeland Watch Co." gelingt ebenfalls nicht.)
Aber auch der neuen Firma blieb der Erfolg versagt. Nach dem Tod von Aeby zog die Berner Handelsbank, als Kreditgeber, die Notbremse und verkaufte das Gebäude an Theodor Schild, der hier eine Fahrradfabrik etablierte.




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