Tutima

1926 nahmen die UROFA (Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG) und die UFAG (Uhrenfabrik Glashütte AG) ihren Betrieb auf. Gegründet wurden beide Betriebe von den Direktoren der Girozentrale Sachsen (Geheimrat Dr. von Loeben, Bankdirektor Karl Heymann, Bankdirektor Dr. Schaarschmidt, Bankdirektor Paul Leopold) um dem Einbruch der Uhrenfertigung in Glashütte seinerzeit zu begegnen. Entstanden war die Absatzflaute, weil man den rechtzeitigen Umstieg von Taschenuhren zu Armbanduhren verpasst hatte. Dabei bediente man sich der brachliegenden Infrastruktur der Uhrenfertigung in Glashütte (Firmenkonglomerat "Präzision"). Man erwarb noch zusätzlich eine kleine schweizerische Uhrenmanufaktur ("Scheizer Rohwerkefabrik Emil Judith, Biel") und damit auch das Wissen der Armbanduhrenherstellung. Als Vorstand beider Firmen wurde der Jurist Dr. Ernst Kurtz (08.02.1899-09.04.1996) bestellt.



Dr. jur. Ernst Kurtz

Die UROFA stellte die Rohwerke für die UFAG her. Schwierigkeiten ergaben sich durch die schweizerische Konkurrenz, die ihre Rohwerke billigst über den Zusammenschluß des Rohwerkekartells "Ebauche S.A." anbot. Ausserdem behinderten die Schweizer den Kauf von Maschinen. 1932 drohte dann sogar die Übernahme der UROFA durch die Schweizer. Nur durch den Erwerb von 20% UROFA-Aktien durch den Pforzheimer Unternehmer Philipp Weber (1890-27.08.1962) konnte die Übernahme in letzter Sekunde verhindert werden. Philipp Weber war Besitzer einer selbst gegründeten Uhrenfabrik in Pforzheim und wollte seine Abhängigkeit von der "Ebauche S.A." damit beenden.

Die UROFA stellte zunächst das Billigkaliber 51 (8 3/4-linig, Cylinderwerk) her. Dem schloß sich aber schon bald das hochwertige Kaliber 52 (8 3/4-linig, Ankerwerk) an. Dieses war das erste zu Großserienreife gebrachte Anker-Armbanduhrenkaliber Deutschlands. Bereits 1930 konnte die UFAG die erste Serie Armbanduhren mit diesem Werk am Markt plazieren. Damit gelang auch der Durchbruch trotz aller Widrigkeiten. Im gleichen Jahr wurde die Marke "Tutima" (tutus = sicher, geschützt) eingeführt für Uhren aller höchster Qualität. Berühmt ist das Chronographenkaliber 59 für den Tutima-Fliegerchronographen.



Kaliber 59

Während des 2. WKs wurden Beobachtungsuhren, Chronographen und Bombenzünder für die Wehrmacht hergestellt. Nach dem 2. WK waren die Produktionsanlagen durch Bomben zerstört. Die funktionierenden Maschinen wurden anschliessend demontiert. 1948 gingen die Betriebe UFAG und UROFA nach der Verstaatlichung zusammen mit anderen Uhrenmanufakturen in die "VEB Glashütter Uhrenbetriebe" auf.

Noch vor dem Ende des 2. WKs waren kriegsbedingt Fertigungsstätten beider Firmen nach Memmelsdorf / Unterfranken ausgelagert worden. Mit dem Kreigsende siedelte auch Dr. jur. Ernst Kurtz nach Memmelsdorf um. Er gründete noch im Jahr 1945 dort eine neue Uhrenproduktionsstätte mit dem Namen "Uhrenfabrik Kurtz". Dabei wurden Armbanduhren und Chronographen mit aus Glashütte geretteten Kalibern gebaut. Ab 1948 gelang die Serienproduktion des neu entwickelten 10 1/2-linigen Kaliber 25 und 251 (Konstrukteur Manfred Zystka) in einer neuen Produktionsstätte in der "Uhrenfabrik Kurtz Schwäbisch Gmünd".



Kaliber 25

Die alte Produktionsstätte in Memmelsdorf wurde von seinem Konstrukteur Manfred Zystka übernommen. Dieser stellte von nun an eigenkonstruierte Großuhren her. Die Firma hieß "Zystka & Co.".

1951 siedelte Dr. Kurtz erneut um und gründete eine neue Produktionsstätte in Ganderkesee bei Oldenburg. Er schloß die Produktionsstätten in Schwäbisch Gmünd und Ganderkesee zunächst zu einer Einheit zusammen. Später konzentriete er aber aus Kostengründen die Produktion in Ganderkesee. Es wurde hier erneut das Kaliber 25 und 251 hergestellt. Dieses Kaliber wurde in besonders feiner Qualität (in 6 Lagen reguliert) hergestellt. Die Produktion mußte aber wegen zu hoher Produktionskosten 1953 eingestellt werden. Anschließend wurde in Ganderkesee nur noch das Damenkaliber 12 und 121 hergestellt. 1956 war die Firma insolvent.

Dieter Delecate, ein ehemaliger Mitarbeiter des Ernst Kurtz, erwarb die Namensrechte "Tutima Uhren". Er führte die Uhrenproduktion im Norden Deutschlands als Kleinstmanufaktur fort. Er verwendete dazu schweizer Rohwerke und überstand auch die Zeit der Quartzrevolution.
Der Durchbruch gelang in den 80gern mit dem Auftrag der Bundeswehr einen Fliegerchronographen zu entwickeln. Daraus entstand der bis heute offizielle NATO-Chronograph "Tutima Military Chronograph, Ref. 798". Die Firma existiert heute noch und gehört zu den feinsten Uhrenmanufakturen Deutschlands.




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